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Film lesen · Heute: Gravity and Visual Pleasure

Posted by on 8. November 2013
Gravity

Sandra Bullock in Gravity

Die Entstehung der Menschheit im Zeitraffer. Urknall – Wasser – Eroberung des Landes. Das alles mit nur zwei Schauspielern, eigentlich nur einer Schauspielerin, weil sich George Clooney sehr schnell in die Tiefen des Weltalls verabschiedet. Das ist Gravity.
Es gibt überhaupt keine Umgebung, die besser für 3D geeignet ist als das Weltall und die Schwerelosigkeit. Es sind wirklich unglaublich schöne Bilder und – wenn man Nasa-Astronaut Michael Massimo glauben mag – eine sehr echte Inszenierung von Schwerelosigkeit.

„Das geht über bloße ‚Effekte‘ weit hinaus und ist wirklich eine neue Form von Kino.“ (HCvH)

Aber genug des Lobes. Suchen wir das Haar in der Suppe!

Leider vertraut der Film sich selbst nicht so ganz und so muss Sandra Bullock natürlich einmal makellos schön, halbnackt aus ihrem Raumanzug steigen.
Der nackte (und in diesem Fall auch wehrlose, weil völlig erschöpfte) Körper ist ein dankbares Objekt in der Schwerelosigkeit. Denn, befindet er sich in einem Raum, in dem die Schwerkraft gilt, muss die Kamera ihn umfahren und damit die voyeuristische Absicht deutlich machen. Im Weltall dagegen schwebt und dreht er sich vor einer statischen Kamera, so dass man ihn von allen Seiten betrachten kann. Als Entschuldigung quasi ein Naturgesetz. Genau so, wie es ein Naturgesetz zu sein scheint, dass der weibliche Körper das Objekt ist und für den – zumeist männlichen – Blick inszeniert wird.
Dazu hat Laura Mulvey bereits 1975 in dem Aufsatz „Visual Pleasure and Narrative Cinema“ sehr treffend geschrieben: „In a world ordered by sexual imbalance, pleasure in looking has been split between active/male and passive/female.“ (…) „Traditionally, the woman displayed has functioned on two levels: as erotic object for the characters within the screen story, and as erotic object for the spectator within the auditorium, with a shifting tension between the looks on either side of the screen.“
Auch wenn sich Mulveys Theorie über Blick-Konstruktionen ausschließlich auf den heterosexuellen Mann bezieht und sie deshalb auch schon viel Kritik einstecken musste, liest es sich doch erstaunlicherweiße immer noch recht aktuell, was sie zur Frau als Objekt bzw. Bild schreibt. Fast 40 Jahre nach Erscheinen ihres Aufsatzes ist es immer noch unvorstellbar, einem halbnackten George Clooney mit der Kamera am wehrlosen Körper hinaufzufahren, kurz zwischen seinen Beinen zu innezuhalten, um dann in die Halbtotale zu wechseln und auf dem reglosen Körper in Embryonalhaltung (DAS Bild für Hilflosigkeit!) zu verharren. Das ist der, zumindest im Film, nicht „totzukriegende“ Dualismus zwischen Mann – Frau, Blick – angeblickt werden, Macht – Ohnmacht, Stärke – Hilflosigkeit…

Gravity sehen und Laura Mulvey lesen und immer schön kritisch bleiben!

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