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Ausländer töten, das geht halt nicht.

Posted by on 7. Dezember 2011

Am 05.12. gab es nun also die vom ZDF öffentlich angekündigte Diskussion zu dem umstrittenen aspekte-Beitrag vom 18.11.2011.

Auf dem Podium saßen Dr. Albrecht Schröter (Oberbürgermeister) Christoph Ellinghaus (Aktionsnetzwerk Jena) Thomas Grund (Streetworker Winzerla) Katharina König (Landtagsabgeordnete Die Linke), Dr. Marco Guerzoni (Integrationsbeirat), Prof. Dr. Klaus Dörre (Soziologe, Uni Jena) und nicht zuletzt Christhard Läpple, der den Aspekte-Beitrag verantwortet. Moderiert wurde das Ganze von Jonas Zipf (Theaterhaus Jena).

Arne Petrich (jenapolis), moderierte den Chat, mit dem auch allen, die nicht ins Theaterhaus passten die Möglichkeit Nachfragen zu stellen, gegeben wurde.

Eigentlich hatte Jena TV geplant, die Sendung live zu streamen, aber die Website war mit um die 60 Zuschauern schon völlig überlastet, so dass nur der Ton zu hören war. Aber wenigstens das.

Die Diskussion klammerte zuerst natürlich am aspekte-Beitrag fest. Dieser wurde noch einmal gezeigt und danach wurde dann über die Macht der Medien diskutiert. Und selbstverständlich blieb man dabei, dass dieser Beitrag das Image Jenas nachhaltig schädige, Gefühle verletze und handwerklich schlecht gemacht sei (was er ja auch ist).
Erst nach mehrmaligem Nachfragen, um welches Genre es sich bei diesem Beitrag denn überhaupt handelt und wie man auf Uhly und sein Buch kam, rückte Läpple heraus, dass er Uhly schon mal auf dem blauen Sofa hatte und sein Buch bemerkenswert fand. Alles klar – Werbesendung.

Es war gar kein so leichtes Unterfangen die Diskussion vom ZDF-Beitrag weg hin zum Grundproblem zu führen, aber Katharina König hat gern die Rolle des Mahners übernommen und war dafür auch bereit auf Zustimmung und Applaus zu verzichten. Sie bemängelte, dass 4500 Leute die Petition auf jenapolis unterzeichnet haben, aber zur ersten Gedenkveranstaltung für die 10 Opfer des NSU nicht einmal 300 Menschen kamen. Schlussendlich ist es ja auch bequemer, aus dem warmen Wohnzimmer heraus einen Klick auf irgendeiner Website zu machen, als sich stundenlang in die Kälte zu stellen. Damit vernachlässigt sie natürlich die Menschen, die vielleicht beides gemacht haben. Aber selbst wenn alle knapp 300 Demonstranten auch die Petition unterzeichnet haben, fehlen immer noch 4200.

Albrecht Schröder – Everybody’s Darling – hat die meiste Zeit versucht verständnisvoll zu sein und dies durch andauerndes Nicken zu zeigen. Er war immer politisch korrekt und um Ausgleich bemüht und verlor nur einmal die Fassung, als fast schon am Ende Läpple einen Parteikollegen Schröders zitierte, der wiederum den Unterzeichnern und Aufregern die Fähigkeit zu trauern absprach.

Marco Guerzoni war nun leider der Einzige auf dem Podium der aus eigener Erfahrung zu diesem Thema etwas hätte sagen können. Aber persönliches ließ er – vielleicht auch gut so – völlig außen vor. Er steuerte wissenschaftliche Studien bei und versuchte Königs Argumentation ein wenig zu entschärfen.

Was Christoph Ellinghaus sagte war unaufgeregt und informativ. Ein paar Forderungen bzw. ein bisschen Werbung für das Aktionsbündnis hätten an dieser Stelle viel Aufmerksamkeit bekommen. Aber es war auch irgendwie sympathisch, dass er diese Chance ungenutzt hat verstreichen lassen. Er machte ohnehin nicht den Eindruck als stünde er gern im Mittelpunkt.
Aufmerksamkeit die andere während der Zuschauerdiskussion durchaus genutzt haben und auch Katharina König hat gefordert, dass im nächsten Stadtratsbeschluss die beantragten 80.000€ für die Kinder- und Jugendarbeit bewilligt werden sollen. Gut gemacht! Hoffentlich regt es dann ebenso viele auf, wenn der Antrag abgelehnt wird.

Fördermittel heißen Fördermittel weil man sie fordert weiß Klaus Dörre. Und folgerichtig hat er sogleich die Gunst der Stunde genutzt und möchte gern eine Professur die sich speziell mit Rechtsradikalismus in Ostdeutschland auseinandersetzt. Schröder sagt ihm dies auch gleich in der nächsten Minute zu. Da sind wir doch mal gespannt, wer diesen Ruf bekommen wird… Im Auge behalten!

Angenehm bodenständig und ohne Profilierungsbedürfnis war der Streetworker aus Winzerla Thomas Grund, der noch nie in seinem Leben mit Berichterstattung zufrieden war. Er verstehe die ganze Aufregung nicht. Jena hätte ein Problem mit Gewalt, nicht nur mit rechtsradikaler Gewalt und er finde den ZDF-Beitrag überhaupt nicht schlimm. „Ausländer töten, das geht halt nicht.“ Genau! Menschen wie er sind täglich ganz nah dran am Problem. Blöd wenn sie von ihrer Arbeit abgehalten werden, weil die finanziellen Mittel vorne und hinten nicht reichen oder mal eben die Jugendclubs geschlossen werden.
Uwe, Uwe und Beate waren ja auch aus Winzerla. Da ist es doch eine nette Anekdote, dass dieser Stadtteil mit Mario Schmauder einen Ortsteilbürgermeister hat, der tatsächlich auf dem rechten Auge blind ist.

Christhard Läpple hat sich zwar nicht entschuldigt, aber doch zugegeben, dass der Beitrag handwerklich nicht der große Wurf war. Jena finde er toll und er hätte seinem Sohn zugeraten, hier zu studieren. Mutig, mutig.

Am Ende durfte dann das Publikum auch mal ans Mikro, eine Chance die vor allem die B-Prominenz der Politik genutzt hat. Viel geredet, nichts gesagt.
Lothar König durfte auch mal reden, aber er hätte nicht sollen.

Schlussendlich kann man sagen, dass dem Podium noch ein oder zwei Menschen mehr vom Schlage Katharina König gut getan hätten, denn über weite Strecken war es dann doch eine Wir-haben-uns-alle-lieb-Diskussion.

Bleibt nur zu wünschen, dass der Aspekte-Beitrag in irgend einer  Weise nützlich war. Immerhin hat er die Jenaer ganz schön mobilisiert. Wenn jetzt nur ein Viertel der Leute am Thema dran bleibt, dann hat es sich gelohnt!

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